Prof. em. Dr. med. Karl Köhle: Archiv

Thure von Uexküll zum 95. Geburtstag

Gratulation
Prof. Dr. med. Paul Janssen, Dortmund

Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin e.V. (DGPM)

Am 15.03.2003 wurde Prof. Dr. med. Dr. hc. Thure von Uexküll, emeritierter Professor für Innere Medizin und Psychosomatik der Universität Ulm, 95 Jahre. Kurz vorher erschien das Standardwerk der deutschen Psychosomatischen Medizin, das von ihm herausgegebene Lehrbuch unter Mitwirkung von 110 Autoren in der 6. Auflage. Dieses Lehrbuch zeigt uns in seinen verschiedenen Auflagen die Entwicklung des Wissensstandes in der Psychosomatischen Medizin. 

Thure von Uexküll ging es in seinem Konzept der Psychosomatischen Medizin stets darum, die Wechselwirkung von Psycho und Soma herauszustellen und die Vernachlässigung des Somas, die zeitweise die Psychosomatische Medizin beherrschte, aufzuheben. Ein Zitat soll dies belegen: "Psychosomatische Medizin wird nicht Naturwissenschaft oder Tiefenpsychologie sein, sondern für beide eine Synthese finden müssen". In dieser Position, ergänzt durch Verhaltenstherapie und Lernpsychologie, sowie Psychophysiologie kommt zum Ausdruck, dass die Psychosomatische Medizin ein eigenständiges Gebiet ist zwischen Innerer Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie. 

Daher ist es uns seitens der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin, die die Psychosomatische Medizin in ihrer spezialistischen Form vertritt, ein besonderes Anliegen, Herrn Thure von Uexküll wegen seiner uneingeschränkt großen Verdienste für die Psychosomatische Medizin in Deutschland zu danken. Er ist einer der Pioniere der Deutschen Psychosomatik und Gründungsmitglied des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin wie auch der Akademie für Integrierte Medizin. 

Einer seiner Schüler, Herr Prof. Dr. K. Köhle schreibt in seiner Würdigung: "Thure von Uexküll hat das systemtheoretische und semiotische Modell des ("Funktionskreis")- Konzepts seines Vaters, des Biologen Jacob von Uexküll, erweitert; sein "Situationskreiskonzept" berücksichtigt die Fähigkeit des Menschen, seelische Arbeit in Vorstellung und Phantasie zwischen "Merken" und "Wirken" zu schalten, um Lösungen zur Problemsituation zu finden. Bis heute arbeitet von Uexküll an seiner "Theorie der Humanmedizin". Sie soll es dem Arzt erleichtern, seiner fachspezifischen Sichtweisen in ein biopsychosoziales Verständigungskonzept zu (re-)integrieren und evidenz-basiertes Vorgehen mit einem Umgang zu verbinden, der eine Sicht des Kranken als Subjekt in seiner je individuellen Wirklichkeit erlaubt". Wir können die zentralen Gedanken Thure von Uexkülls, die hier Herr Köhle zusammenfasst, auch für den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin - er soll demnächst Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie heißen - zugrunde legen. Selber hat Thure von Uexküll nicht an einen Facharzt gedacht, weil sein Hauptanliegen war, psychosomatisches Denken in die Gesamtmedizin zu integrieren. Er hat aber durchaus auch die spezialistische Psychosomatische Medizin durch seine vielfältigen Forschungen und Aktivitäten und durch die Theorie der Humanmedizin gefördert und zugleich die psychosomatische Grundversorgung im Sinne der integrierten Psychosomatik mit geschaffen. 

Thure von Uexküll war wesentlich an der Einführung der psychosozialen Fächer in die ärztliche Approbationsordnung 1970 beteiligt. Wir führen mit der Einführung des Facharztes für Psychotherapeutische Medizin diesen Prozess der Etablierung psychosozialer Aspekte in der Medizin fort. Insofern können wir auf die Arbeiten Thure von Uexkülls aufbauen und sind ihm daher zu großem Dank verpflichtet. Wir gratulieren Herrn von Uexküll zu seinem 95. Geburtstag und wünschen ihm weiterhin Schaffenskraft und Gesundheit.

Paul Janssen, Dortmund