Prof. em. Dr. med. Karl Köhle: Archiv

Thure von Uexküll zum 95. Geburtstag

Gratulation
Prof. Dr.med. Karl Köhle, Universitätsklinikum Köln

Lieber Thure!

Die Entwicklung neuer Techniken hat Dich immer interessiert. So nützen wir die Möglichkeiten des Internet, um Dir zu Deinem 95. Geburtstag zu gratulieren. 

Vor zehn Jahren hast Du Deine persönlichen Vorstellungen zur Salutogenese geäußert:
Neugierde hilft das "Passende" entdecken. Es schien Dir immer Vergnügen zu bereiten, mit Fragen Dir selbst und anderen die Wirklichkeit zugänglicher zu machen.  So schriebst Du über "Grundfragen der Psychosomatik". 
Kohärenzerleben entsteht für den Konstruktivisten im narrativen Prozess. Die Aufgabe heißt: eine individuelle Geschichte zu schreiben, eine Geschichte, die man selber ist. Das Gelingen ist dabei "rückmeldungsabhängig". Der Autor benötigt ständig Rückmeldungen, ohne Antworten hört das Schreiben der eigenen Geschichte auf. 

Deine Mutter hat Dich bewundernd anerkannt, Dein Vater hat Dein Sich-Wundern, Neugierig-Sein und Fragen früh gefördert. Du hast von ihm früh gelernt, dass sich die "Sonnenstraße"  immer auf Dich selbst als Betrachter richtet.
Gustav von Bergmann zeigte Dir, wie die Anamnese dem Arzt das Fenster zur Wirklichkeit des Patienten öffnet, den Blick auf dessen Lebensbühne. Fritz Riemann förderte Deine Fähigkeit zur "Beobachtung 2. Ordnung", der Möglichkeit, Dich selbst als Interpretanten, als Regisseur Deines Handelns auf der Lebensbühne wahrzunehmen. 
Du wusstest, Erkenntnis lässt sich nur in einer "Community of Inquiry" (Peirce) gewinnen, im Austausch mit Deinen Freunden, allen voran Ernesto Grassi und Alexander Mitscherlich. Dieser Austausch war auch das Ziel bei der Neugründung bzw. Fortentwicklung von Universitäten, Fakultäten, Kliniken und bei der Reform von Aus-, Fort- und Weiterbildungsordnungen. Du hast betont, dass Utopien Dir wichtig seien, um für das eigene Engagement Sinn zu schaffen, gleichzeitig hast Du dabei anderen Freiräume für ihre Entwicklung geöffnet.

Es entspricht Deinem Verständnis von Autonomie und Gesundheit, dass die inneren salutogenen Ressourcen der passenden, komplementären Ergänzung aus den Beziehungen bedürfen. So hast Du immer den Beitrag Deiner Freunde, Deiner Mitarbeiter und vor allem von Marina zum Gelingen Deiner Unternehmungen anerkannt. 

Auch wenn schon lange gilt:

"lamque opus exegi,
quod nec Jovis ira nec ignis nec
poterit ferrum
nec edax abolere vetustas."
(Ovid)

wünsche ich Dir, dass die dankbaren "Rückmeldungen" und die guten Wünschen auf diesen Seiten dazu beitragen, dass Du möglichst lange und gesund Deine "Geschichte" weiterzuschreiben vermagst.

Karl Köhle